Strahlenbelastung

Strahlenbelastung von W-Lan

Strahlungsemission von Funknetzen Aus PC-WELT-Wiki

Strahlende Geräte sind im Haushalt überall: Schnurlostelefon, Handy, Mikrowellenherd, Funkkopfhörer, Babyphon, Garagenfernsteuerung. Zwar wird oft vor negativen Wirkungen ihrer Funkwellen gewarnt, aber mal ehrlich: Wer will heute noch auf diese praktischen Helfer verzichten?

Nun kommen die ersten Warnungen vor der nächsten Gefahr: Mit WLAN, Bluetooth & Co. hole man sich weitere elektromagnetische Strahlungsquellen ins Haus. Auch diese Technik ist wirklich praktisch: Funk ersetzt das Druckerkabel, das sich bislang um die Schreibtischbeine wickelte, fürs PC-Netzwerk müssen Sie keine Wände mehr aufstemmen, mit dem Notebook können Sie gemütlich von der Terrasse aus surfen und bei Funkmaus, Schnurlos-Tastatur und Bluetooth-Headset gefährden keine Kabel mehr den stabilen Stand der Teetasse. Doch wie schädlich sind die vom Headset oder der WLAN-Karte ausgehenden elektromagnetischen Felder?

Natürliche Strahlung

Wir sind von Natur aus schon immer von Strahlung umgeben. Ohne sie hätte sich das Leben auf der Erde nicht entwickelt. Typische Beispiele sind das Erdmagnetfeld und starke elektromagnetische Felder, die bei einem Gewitter entstehen. Auch die Sonne strahlt: Neben dem optischen Spektrum von Infrarot über das sichtbare Licht bis hin zu Ultraviolett strahlt sie hochfrequente elektromagnetische Wellen zur Erde, und zwar im Frequenzbereich von 3 bis 300 GHz. Allerdings mit weniger als 10 µW/m2 – 1 mW hat 1000 µW.

Künstlich erzeugte Strahlung

Seit Ende des 19. Jahrhunderts erzeugt der Mensch elektrische Energie und ebensolang gibt es künstliche elektromagnetische Felder. Stets treten in der Umgebung elektrischer Leitungen auch elektrische und, wenn Strom fließt, magnetische Felder auf. Aber erst die stürmische Entwicklung der Computertechnik in den vergangenen Jahren löste Diskussionen über „Elektrosmog“ aus. Und der Handy-Boom brachte sie richtig zum Kochen. Da stellt sich die Frage, ob nun auch WLAN und Bluetooth potenziell gefährlich sind.

Durch den Einsatz von Elektrizität entstehen elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder – zum Beispiel beim Stromversorgungsnetz und beim Mobilfunk. Diese Felder lassen sich durch ihre Stärke (Amplitude), ihre Schwingung (Wellenlänge) sowie die Schwingungszahl (Frequenz) beschreiben. Man unterscheidet hier zwischen hoch- und niederfrequenten Feldern. WLAN und Bluetooth strahlen mit hoher Frequenz. Elektromagnetische Felder gehören wie das Licht zur nichtionisierenden Strahlung. Im Unterschied zur ionisierenden Strahlung – zum Beispiel Röntgenstrahlung – reicht die Energie nicht aus, um Atome und Moleküle elektrisch aufzuladen (ionisieren). Trotzdem kann auch diese Strahlung gesundheitliche Folgen haben. Die Intensität eines elektromagnetischen Felds wird in Watt pro Quadratmeter angegeben. Also in der Leistung, die auf einer bestimmten Fläche gemessen wird.

Strahlung durch WLAN

Bei einem WLAN (Wireless Local Area Network) werden in einem Netz via Funk Daten zwischen PCs und Peripherie beziehungsweise zwischen Geräten der Unterhaltungselektronik gesendet. Funkgestützte Kommunikation verwendet elektromagnetische Wellen zur Informationsübertragung. Der menschliche Körper kann solche elektromagnetischen Wellen absorbieren und wandelt sie, wenn die Strahlung stark genug ist, in Wärme um. Um Risiken für die Gesundheit zu vermeiden, werden Grenzwerte festgelegt. Die Schwierigkeit ist dabei, dass noch keine langfristigen Forschungen über die Schädlichkeit bestimmter Strahlungswerte vorliegen. Außerdem geht es beim Definieren von Grenzwerten darum, zu verhindern, dass sich elektronische Geräte und Funknetze gegenseitig stören. In Deutschland ist die Reg TP, die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post RegTP, für das Festlegen solcher Grenzwerte zuständig. Beispielsweise erlaubt sie in der Verfügung 89/2003 für WLAN-Komponenten, die im 2,4-GHz-Frequenzbereich senden, eine maximale Strahlungsleistung von 100 Milliwatt (mW) EIRP. In diese Gruppe fällt der Großteil der aktuell am Markt erhältlichen Geräte – nämlich diejenigen, die dem WLAN-Standard 802.11b, 802.11b+ und/oder 802.11g entsprechen.

Für WLAN-Geräte im 5-GHz-Bereich gilt die Verfügung 35/2002. Diese beschränkt die Strahlungsleistung im Frequenzbereich von 5150 bis 5350 MHz auf maximal 200 mW EIRP. Diese Geräte dürfen nur in geschlossenen Räumen verwendet werden. WLAN-Komponenten dürfen außerdem im Bereich 5470 MHz bis 5725 MHz betrieben werden, und zwar sowohl im Innen- als auch im Außenbereich und mit einer EIRP von 1 Watt. Zur Zeit unterstützen 5-GHz-Komponenten vor allem den Standard 802.11a. Da sie ohne dynamisches Frequenzwahlverfahren und ohne automatische Leistungsregelung im Frequenzbereich zwischen 5150 und 5250 MHz arbeiten, gilt für sie eine Sonderverordnung. Diese drosselt die maximale Strahlungsleistung auf 30 mW EIRP. Erste WLAN-Komponenten mit dynamischem Frequenzwahlverfahren und automatischer Leistungsregelung stehen allerdings kurz vor der Markteinführung. Diese Komponenten, die dem Standard 802.11h entsprechen, werden voraussichtlich innerhalb geschlossener Räume mit 200 mW senden. Das liegt aber immer noch deutlich unter der Sendeleistung von Handys.

Zu bedenken ist bei allem jedoch: WLAN-Komponenten senden nicht immer mit maximaler Kraft. Ist die Verbindung gut, drosseln sie die Leistung. Zudem nimmt die Strahlungsintensität mit der Entfernung ab. So sind selbst bei Vollauslastung eines Access Points in 50 cm Abstand nur noch 0,03 W/m2 zu messen. Zum Vergleich: Der Grenzwert der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) für Hoch- und Niederfrequenzanlagen beträgt 10 W/m2 – nachzulesen im Beitrag „WLAN – das funkgestützte Netz“, herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit.

Strahlung durch Bluetooth

Bluetooth-Komponenten nutzen ausschließlich den Frequenzbereich um 2,4 GHz. Es gibt sie in drei Leistungsklassen, deren maximale Sendeleistung jeweils die Bluetooth Special Interest Group, www.bluetooth.org, festgelegt hat: Class 1 sendet mit maximal 100 mW und kann eine Entfernung von rund 100 Metern überbrücken. Die maximal erlaubte Sendeleistung bei Class 2 reicht mit 2,5 mW für rund 20 Meter, und Class-3-Geräte schaffen mit maximal 1 mW etwa 10 Meter. Bluetooth-Geräte drosseln bei guter Verbindung zwischen Sender und Empfänger ihre Sendeleistung ebenfalls auf das notwendige Minimum. Headsets beispielsweise gehören in der Regel zur Class 3 und senden oft mit gerade mal 0,1 bis 0,5 mW.

Handys strahlen stärker

Wer sich zum Thema Strahlenbelastung bei WLAN und Bluetooth schlau machen will, muss lange suchen und findet nur wenig: Die Hersteller in Deutschland haben keine Tests zur Strahlenbelastung veröffentlicht, und im Internet lässt sich kaum etwas seriöses aufspüren.

Zu den Stichwörtern „Strahlenbelastung“ oder „Elektrosmog“ finden sich fast ausschließlich Seiten über Handys. Doch deren Strahlenbelastung lässt sich nicht auf WLAN- und Bluetooth-Komponenten übertragen ? senden Handys doch mit 1 bis 2 Watt. Das ist das Zehnfache der Sendeleistung einer WLAN-Karte mit 200 mW. Und Handys halten Sie direkt am Kopf. Sogar bis zu 2000 Mal schwächer strahlt ein Bluetooth-Headset der Class 3. Die Leistung beträgt gerade mal 1 mW.

Entwarnung vom Bundesamt

Auch für das Bundesamt für Strahlenschutz sind WLAN und Bluetooth kein Thema. Auf dessen Website findet sich der Artikel [http://www.bfs.de/de/elektro/hff/anwendungen/Bluetooth_WLAN_UWB.html „Moderne Kommunikationsmittel“]. Hier weist die Behörde im Abschnitt „Bluetooth und Wireless Local Area Networks (WLAN)“ darauf hin, dass „aufgrund der geringen Sendeleistungen“ von Bluetooth und WLAN die 26. Bundes-Immisionsschutzverordnung für diese Funksendeanlagen keine Anwendung findet. Den wenigen Untersuchungen zufolge halten die WLAN- und Bluetooth-Anlagen die international empfohlenen Referenzwerte ein. Um genauere Aussagen über die Belastung durch Mobilfunk und die potenziellen Gesundheitsgefahren machen zu können, plant das Bundesumweltministerium ein Forschungsprojekt.

Nova-Institut rät: Abstand halten

Das unabhängige Nova-Institut beschäftigt sich unter anderem mit Elektrosmog und erarbeitet Studien für Ministerien, Unternehmen und Universitäten. 2001 erstellte es ein Gutachten über die Strahlenbelastung durch WLAN-Netzwerke für die Uni Bremen, in dem es um den Einsatz von Notebooks in den Universitätsgebäuden ging (www.dmn.tzi.org/wlan/wlan-emvu-gutachten-bremen.pdf). Das Institut kam dabei zu folgenden Ergebnis: Bei einem Abstand von 35 cm zur WLAN-Karte betrug der Messwert nur 0,004 W/m2. Er lag damit nicht nur weit unter dem Maximalwert von 10 W/m2 der 26. BImSchV, sondern auch unter dem vom Nova-Institut empfohlenen Wert von 0,1 W/m2. Wer dagegen nur etwa zehn Zentimeter von der WLAN-Karte entfernt ist, kommt auf eine Strahlenbelastung von 0,05 bis 0,16 W/m2. Wer sich beim Arbeiten bequem zurücklehnt, den erreichen in einer Entfernung von rund 80 Zentimetern nur rund 0,0012 W/m2. Die Testwerte gelten übrigens nur im Betrieb unter Volllast ? also wenn Sie beispielsweise eine große Filmdatei übertragen. Im Alltag dagegen, etwa wenn Sie im Internet surfen oder kleine Dateien transferieren, ist die mittlere Sendeleistung eines Notebooks erheblich niedriger ? vor allem, wenn sich mehrere WLAN-Komponenten einen Access Point teilen.

Wenig Belastung im Freien

Das Magazin Öko-Test hat für die November-Ausgabe 2002 in fünf Städten Deutschlands an mehreren Stellen nahe von öffentlichen WLAN-Anlagen Immissionsmessungen durchführen lassen. Das Ergebnis: Im Freien ist die Strahlung umliegender Mobilfunksender oft höher als die Belastung durch WLAN. Auf dem Aachener Marktplatz hat man dabei in einem Abstand von zehn Metern zur WLAN-Antenne 7 µW/m2 (also 0,000007 W) gemessen. An derselben Stelle strahlte der Mobilfunk fürs E-Netz mit 120 µW/m2. Selbst schnurlose Telefone aus den Häusern der Nachbarschaft hatten am Messpunkt eine stärkere Abstrahlung als die WLAN-Antenne: 18 µW/m2. Die WLAN-Nutzer selbst waren in einem Meter Abstand zur WLAN-Karte im Notebook 15 bis 20 mW/m2 ausgesetzt. Damit liegt dieser Wert noch um ein Vielfaches unter der maximalen Sendeleistung von Handys – und auch schnurlose Telefone senden bis zu viermal stärker.

Forschungen sind geplant

Die Sendeleistung von Bluetooth- und WLAN-Komponenten ist deutlich niedriger als etwa die von Handys. Tests zur Belastung bei WLANs sind allerdings rar, insbesondere im 5-GHz-Frequenzbereich. Genauere Untersuchungen sind aber nicht nur in Deutschland geplant. Die WHO beispielsweise hat ein internationales Projekt zum Thema EMF (Electromagnetic Fields) gestartet. Diese Untersuchungen sollen bis zum Jahr 2006 eine umfassende Abschätzung der Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Strahlung im Frequenzbereich von 0 bis 300 GHz liefern. Doch egal, wie die Untersuchungen ausfallen und interpretiert werden: Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er WLAN- beziehungsweise Bluetooth-Komponenten nutzen möchte und eine zusätzliche Strahlungsbelastung in Kauf nimmt oder lieber Kabel durch die Wohnung zieht.

WLAN-Strahlung reduzieren

Stellen Sie den Access Point in mindestens fünf Metern Entfernung vom Arbeitsplatz auf. Während der Datenübertragung sendet der Access Point mit der addierten Leistung aller Clients, die er bedient. Im Leerlauf gibt er zwar nur jede Zehntelsekunde ein Erkennungssignal aus. Das allerdings mit der maximalen Leistung. Schließen Sie den Access Point deshalb an einer ausschaltbaren Steckerleiste an, damit Sie ihn komplett vom Netz trennen können, wenn Sie ihn nicht benötigen.